LAUFEN! Mein LEBEN! Mein WEG!

Die größte Entscheidung deines Lebens liegt darin, dass du dein Leben ändern kannst, indem du deine Geisteshaltung änderst!

Mo

29

Aug

2016

100 Meilen Berlin

 

 

 

Wenn ich ganz ehrlich bin, ich hatte nie die Absicht 100 Meilen zu laufen. Jedoch irgendwann vor ziemlich genau zwei Jahren sah ich ein Foto eines Läufers, der ein T-Shirt mit der Aufschrift „100 Meilen Berlin“, trug.

 

Was ist denn das für ein Lauf, dachte ich mir und googelte nach. Als ich die ersten Informationen hatte wuchs und reifte der Gedanke, dieser Lauf reizt mich, den will ich machen.

 

Als dann auch noch feststand, dass der fünfte Berliner Mauerweglauf am 13. August 2016, also genau an meinem fünfzigsten Geburtstag, stattfindet, fiel die Entscheidung. Ich hatte die Absicht 100 Meilen zu laufen.

 

 

 

13. August 2016

 

Es ist 5.15. Meine gesamte Familie, Gattin, Mutter, Schwester,  Schwager, Cousin mit Frau und Vater meines Schwiegersohnes begleiteten mich ins Startgelände. Meine Tochter und ihr Freund zogen es vor, noch ein Stündchen zu schlafen. Ich konnte sie gut verstehen.

 

Ich persönlich hatte eine unruhige Nacht hinter mir, meine Nerven waren aufgewühlt und angespannt, was würde mich an diesem Tag erwarten. Ich hatte keine Ahnung, aber die Vorfreude auf meinen Geburtstagslauf überwiegte.

 

Pünktlich um sechs erfolgte das Startzeichen und etwa 350 Einzelläufer setzten sich in Bewegung, um entlang der ehemaligen Berliner Mauer das westliche Berlin zu umrunden. 100 Meilen oder 161 km nonstop auf zwei Beinen im Laufschritt. Eigentlich nicht vorstellbar.

 

Im Uhrzeigersinn führte die Strecke zuerst durch die Innenstadt von Berlin, das Brandenburger Tor erreichten wir nach etwa 7 km, dann an der East Side Gallery vorbei Richtung Süden, weiter in den Westen nach Potsdam, hinauf in den Norden und zurück in den Friedrich Jahn Sportpark, wo wir gestartet sind.

 

Aber alles der Reihe nach.

 

Ich fühlte mich locker und leicht. Das Wetter trocken und sonnig. Nahezu perfekte Witterungsverhältnisse, außer, dass es etwas zu warm wurde. Aber mit den 25 bis 26 Grad konnte ich gut leben.

 

Auf den ersten 20 Kilometern versuchte ich einen guten Rhythmus zu finden und ein richtiges Wohlfühltempo zu laufen. Das dürfte mir sehr gut gelungen sein, da ich am Ende des Tages immer noch laufen konnte. Aber dazu später.

 

Bei etwa km 30 ein erster emotionaler Höhepunkt. Völlig überraschend, wie aus dem nichts kommend, sah ich bei einem Verpflegungspunkt einige gelb gekleidete Männer und Frauen. Sie hielten Transparente in der Hand und jubelten. „Wer sind denn die?“ dachte ich mir und dann schossen mir Tränen ins Gesicht. Meine Lauffreunde vom LT Gmünd erwarteten mich, jubelten und sangen ein Geburtstagsständchen. Ich konnte es nicht fassen! Die sind wegen mir nach Berlin gefahren, um mir zum Geburtstag zu gratulieren, um zu singen und mich zu unterstützen. Plötzlich sah ich alles verschwommen. Meine Tränen blieben hinter der Sonnenbrille verborgen. Unbeschreibliche Emotionen und Gefühle machten sich breit. Ich liebe sie!

 

Leider konnte ich nicht lange bei ihnen bleiben. Meine Reise durfte und konnte weitergehen. „Wir erwarten dich bei der Hälfte, also etwa bei 80 km!“ riefen sie mir nach und es tat so gut. Sie gaben mir unglaublich viel Kraft mit auf den Weg.

 

Ich durchlief Verpflegungspunkt für Verpflegungspunkt, meine Beine funktionierten und mein Kopf war stark. Kilometer für Kilometer spulte ich auf dieser herrlichen Strecke ab.

 

Halbzeit!

 

Meine Freunde vom Laufteam und meine gesamte Familie erwarteten mich beim VP km 78. Die Hälfte war fast geschafft. Alle feuerten mich an und die Ansätze der ersten Ermüdung verschwanden so schnell, wie sie gekommen sind.

 

Ab diesem Zeitpunkt hatte ich bis zum km 110 eine läuferische Begleitung. Meine Trainingsgefährtin und bester Kumpel Martina lief mit mir mit. Ich bedanke mich für ihre positiven Worte. Worte der Aufmunterung und der Zuversicht. Sie war in dieser Phase sehr wichtig für mich.

 

Wir ließen den 100sten Kilometer hinter uns und in traumhafter Landschaft, durch eine wunderschöne Natur am Rande der Millionenstadt Berlin näherten wir uns dem Verpflegungspunkt bei km 110. Dort erwarteten mich zum letzten Mal meine Familie und meine Lauffamilie des LT Gmünd.

 

Martina musste ihre Begleitung beenden, da sie alle wieder zum Busbahnhof fuhren, um mit dem Bus wieder die ganze Nacht nach Wien zurückzufahren. „Ich würde viel lieber mit dir bis zum Ziel laufen, als jetzt die ganze Nacht mit dem Bus fahren.“ sagte sie zum Abschied und es brach ein wenig Wehmut aus.

 

Noch 50 km! Werner, der Vater meines Schwiegersohnes, ist mit einem Leihrad bis hier her mitgefahren. Er wollte sich die Strecke auf dem Rad ansehen und „Ultraluft“ schnuppern. Er konnte sich nicht vorstellen, dass so was möglich ist. Läuferisch!

 

Noch 50 km! „Bitte Gerald, begleite mich auf den letzten 50 km“. Mein Schwager erkannte, dass ich ihn brauchen werde und er sagte: „Ist doch Ehrensache!“ Danke Gerald.

 

Ein Wechselspiel, eine Achterbahnfahrt von Hoch und Tiefs begann. Noch nie war ich weiter als 124 km gelaufen, als ich Wien umrundete. Aber jetzt kam ich in Bereiche, wo ich noch nie war. Mein Körper signalisierte, dass es genug sei. „Ich bin müde, es reicht!“, schickte er die Botschaft gefühlte 20 Mal ins Hirn. Aber mein Geist und mein Wille waren stark. Unbezwingbar heute. „Du kannst doch problemlos laufen, lieber Körper!“ meldete mein Geist an meine Beine, „Also lauft und jammert nicht!“

 

Und sie gehorchten.

 

Wir befanden uns auf dem letzten Halbmarathon. Gerald motivierte mich ständig und es tat gut. Sehr gut sogar.

 

 Meine Gedanken beschäftigten sich schön langsam mit einer Endzeit. Ich blickte auf die Uhr und war begeistert. Mein Traumziel von 20 Stunden war erreichbar. Rechnen konnte ich in diesem Zustand nicht mehr, aber eines wusste ich.

 

„Je schneller du läufst, desto früher bist du im Ziel“.

 

Und ich lief. Euphorie stieg in mir hoch, es ist zum Greifen nahe. Mein Traum kann in Erfüllung gehen. Ich werde zum 100 Meilen Läufer.

 

 

 

Die Uhr zeigt 01.15. Gerald teilt mir mit, dass wir auf dem letzten Kilometer sind. Wir haben den Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark erreicht. Ich sehe die Flutlichter des Leichtathletikstadions, wo wir am Vortag um 6.00 Uhr früh gestartet waren. Der Kreis schließt sich.

 

Völlig schwerelos erreiche ich die Laufbahn des Stadions. Meine Familie jubelt, alle haben gewartet und gezittert, nun bin ich da. Noch 300 m bis zur Tribüne, zum Ziel.

 

Plötzlich sehe ich meinen Körper neben mir. Mein Geist hat sich vom Körper gelöst und ich schwebe. Träume ich?

 

Fünf Meter vor dem Zielband bleibe ich stehen, um die letzten Meter zu genießen, auszukosten, solange wie möglich. „Yes!“ Ein Schrei der Erlösung kommt aus meinem Innersten, als wollte ich es der ganzen Welt sagen, dass ich es geschafft habe.

 

Um 01.21 Uhr, nach 19 Stunden, 21 Minuten und 45 Sekunden werde ich zum 100 Meilen Läufer. Ich überquere die Ziellinie. Der Olymp des Ultralaufens ist bezwungen.

 

Mit dieser Zeit erreichte ich den 18. Gesamtplatz in der Männerwertung (197 Finisher) und den 3. Platz in der Klasse M 50. Insgesamt finishten den Mauerweglauf 247 Läuferinnen und Läufer.

 

Ich bedanke mich bei Hajo Palm, dem Gesamtorganisator des Berliner Mauerweglaufes, für die Startnummer 50.

 

Mein besonderer Dank gilt meiner Familie, die mich immer unterstützt hat und ein ganz herzliches Danke an das Laufteam Gmünd für die sensationelle Überraschung.

 

 

 

Es war der Geburtstag, der Lauf meines Lebens!

 

 

 

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Mo

22

Jun

2015

Mozart100 – 20. Juni 2015 – Salzburg Ein Ultralauf der Extreme!  

Es ist fünf Uhr früh. Salzburg Stadt, Residenzplatz. Etwa 150 Ultraläufer und ich starten zu einem Lauf der Extreme. Nur ist uns das zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Noch nicht.

Es ist kühl, etwa 10 Grad und trocken. Noch! Zwei Runden zum Fuschlsee und wieder zurück nach Salzburg stehen am Programm.

102,5 km, 2500 hm, zwei Mal der Kapuzinerberg in Salzburg, „the wall“ in Hof bei Salzburg und irgendwo in der Botanik zwei Mal „the climb“ und noch viele andere „Hindernisse“, die wir allerdings noch nicht kannten.

Die ersten Kilometer völlig entspannt bis zur Glasenbachklamm, ideal zum Aufwärmen.

Noch regnet es nicht. Aber es sollte nicht mehr lange dauern und alle Befürchtungen der Wetterexperten bewahrheiteten sich. Es begann zu regnen und zeitweise richtig zu schütten. Egal, dachte ich mir, wenigstens keine Hitze und jammern bringt nichts. Es dauerte naturgemäß nicht lange und wir waren völlig durchnässt. Die Laufschuhe, die Kleidung, von Kopf bis Fuß nass. Einmal nass, nie wieder trocken.

Es ging locker bis zum Fuschlsee, weiter nach Hof, beim Salzburgring vorbei und zurück nach Salzburg. Der Körper funktionierte wie geschmiert, es rollte genauso, wie ich es mir erhofft hatte. Manche Trailabschnitte waren aber fast nicht zu laufen, so matschig und rutschig war es. Besonders die Waldwege waren stellenweise ziemlich gefährlich, weil absolute Rutschgefahr. Aber ohne größere Schwierigkeiten erreichte ich nach etwa 43 km zum ersten Mal den Kapuzinerberg in der Stadt. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, was mich erwartete. Aber bald wusste ich es. Etwa 500 Stufen hinauf, verteilt auf 200 hm und ein steiler Weg hinunter, der in etwa 130 Stufen abwärts Richtung Altstadt mündete.

Schwierig, aber nicht unüberwindbar, dachte ich mir und schon war ich an der Salzach bei der Staatsbrücke angelangt. Hinein in die Altstadt und nach 4 Stunden und 45 Minuten hatte ich die erste Runde absolviert. Meine Beine in Topzustand und „Gott sei Dank“ auch meine Mentalkraft. Denn zu diesem Zeitpunkt schüttete es wie aus Schaffeln. Wolkenbruchartiger Regen in Salzburg und noch nicht mal die Hälfte gelaufen.

Kurze Labepause bei Start und Ziel. Auf in die zweite Runde. Mutterseelenallein lief ich zum zweiten Mal der Glasenbachklamm entgegen. Kein Läufer vor mir. Keiner hinter mir. Oh Gott, war ich nass!

Platsch, platsch, platsch ……. ! Ich hatte wirklich große Befürchtungen, dass sich die Haut auf meinen Füßen auflöst. Aber Danke an meine ASICS GT 2000 und meinen O-Motion-Strümpfe. Sie haben großartige Arbeit geleistet.

Glasenbachklamm die Zweite! Bäche kamen mir entgegen, seitlich aus allen Richtungen. Wasser von oben, von links, rechts, eigentlich überall! Egal, ist sowieso schon „Wurscht“, und ich wurde mental immer stärker.

„Widerstände sind da, um überwunden zu werden!“ dachte ich mir und machte mich auf den Weg zum Fuschlsee. Ich überholte die ersten Walker des 55 km Bewerbes, etwas später die ersten Läufer und plötzlich, ich glaubte es kaum, kein Regen. Es war so motivierend! Kein Regen! Mein Herz lachte und ich freute mich auf das letzte Drittel der Strecke.

„The climb!“ zum Zweiten erreicht. Ein Anstieg in einem Wald, geschätzte 50 % Steigung (etwas übertrieben, aber es kommt einem so vor!) und nahezu unbewältigbar aufgrund der Bodenverhältnisse. Ein Schritt nach vor, zwei Schritte zurück gerutscht. „So wird das nix!“ dachte ich mir etwas verzweifelt. Wie soll ich da hinauf kommen? Idee! Hinein in den Wald und weg vom Pfad, so hatte ich wenigstens Halt und ich konnte in kleinen Schritten den Gipfel bezwingen. War ich froh, als ich oben war.

Nächstes Hindernis! Ein reißender Fluss im Wald über den Weg. In der ersten Runde ein Bächlein von etwa einem Meter Breite. Aber jetzt? Drei Meter breite Wassermassen vor mir und verzweifelt dachte ich  mir, wie komme ich da rüber. Ich suchte nach einem Ausweg. Es gab keinen! Augen zu und durch. Hinein ins knöcheltiefe Wasser und durch. Geschafft! Überlebt! Yes, jetzt kann nichts mehr passieren.

Platsch, platsch, platsch, ……..! Egal, ist nicht mehr weit.

Die Umrundung des Fuschlsees war ein Vergnügen. Trocken, herrlicher Weg und fast schon angenehme Temperaturen.

Ich freute mich auf „the wall“. Zwischen Fuschl und Hof haben die Veranstalter extra für den Mozart100 eine Wand gebaut. Einen knappen Kilometer lang, etwa 120 % steil, na gut, nehmen wir 100 weg, aber trotzdem heftig. Oben in Hof erwartet uns eine geniale Labstation. Tee, Suppe, Süßigkeiten, Soletti, Obst, Riegel, Gel, alles was ein Ultraherz begehrt.

17 km noch. Meine Beine top. Meine Motivation noch mehr.

Ich war bärenstark heute. Nichts konnte mich besiegen.

Bei der Labstation km 90 überholte ich einen 55 km Läufer. Wir kamen ins Gespräch. Er erklärte mir, dass er sich schonen müsse, weil noch der Kapuzinerberg bevorstehe.  Ich sagte zu ihm, dass ich heute schon oben war. Er hat es kaum geglaubt! War irgendwie erheiternd.

Ich erreichte mit leicht „angeschlagenen“ Oberschenkeln Salzburg. Soll ich mich auf den Kapuzinerberg freuen oder ihn verfluchen?

Ich entschied mich für Gelassenheit und machte mich auf den Weg zum Gipfel. Hinauf war nicht so schlimm, aber hinunter! Uiii, die vorderen Oberschenkel hatten das gar nicht gerne. Aber es war ja nicht mehr weit und ich spürte die Endorphine und das Adrenalin ins Blut „einschießen“.

Wer´s auch nicht glaubt, aber diese Hormone nehmen dir alle Schmerzen und die letzten 400 m über die Staatsbrücke durch die Altstadt zum Ziel am Residenzplatz waren ein Traum. Ich hatte das Gefühl zu schweben.

Mit einem lauten „Yes!“ erreichte ich nach 11 h und 15 min das Ziel. Tränen der Erleichterung, der Freude, der Demut und des Glücks stiegen mir in die Augen. Unfassbar!

Dass ich in der Gesamtwertung den 10. Platz erreichte und viertbester Österreicher wurde, werde ich sowieso nie begreifen.

„Widerstände sind da, um überwunden zu werden!“

 


Fr

14

Nov

2014

Rundumadum Wien

 

Ein Traillauf um unsere Bundeshauptstadt von 124 km und 1600 hm am 1. November 2014

 

7.00 Uhr:

 115 Starter über die ganze G´schicht und etwa 50 über die „halbe G´schicht“ und einige Staffeln stehen am Start am Areal des Ella Lingens Gymnasiums in 1210 Wien, Gerasdorfer Straße 103. Ein Abenteuer beginnt!

 

8.20 Uhr:

 Kahlenbergerdorf ist erreicht. Nach 14 km warm laufen geht’s so richtig los. Hinauf den Nasenweg zum Leopoldsberg. Steil, heftig, aber nicht ganz so schlimm wie befürchtet.

 

9.00 Uhr

 Der Trail im Norden Wiens, auf und zwischen den Hausbergen der Wiener wunderschön. Das Wetter ein Traum. Locker und leicht geht’s in Richtung Westen.

 

10.30 Uhr

 Steinhof ist erreicht. Ja genau, das ist dort wo ein Krankenhaus für ???? steht. Soll ich mich gleich anmelden oder gar „einchecken“? Nein, weiter geht’s hinunter nach Hütteldorf zur Westautobahn.

 

11.45 Uhr

 Ich bin mitten in einer Kletterpartie neben dem Lainzer Tiergarten. Unglaublich steiler und langer Anstieg. Genau mittendrin ist der erste Marathon absolviert.

 

Kurz nach 12.00 Uhr

 Den höchsten Punkt der Strecke erreicht und voller Elan geht’s hinunter nach Kalksburg. Verpflegungsstelle Nr. 2 erreicht. Dort erwartet mich meine Kollegin Brigitte mit dem Bike, die mir an diesem Tag vermutlich das Leben gerettet hat. Nur wusste ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich eine Navigatorin, die mir auf meiner weiten Reise durch Wien noch unbezahlbare Dienst geleistet hat.

 

Von 13.00 bis 16.30 Uhr

 Über die Bezirke Liesing (immer den Liesingbach entlang), Favoriten und Simmering geht’s am Zentralfriedhof vorbei in Richtung Freudenau zur Donau. In diesem Abschnitt hatte ich eine kurze Schwächephase, da ich etwas zu wenig gegessen habe. Bei der Labstation 3 (km 73) päppelte ich mich mit einer warmen Suppe, einem Kornspitz und Tee wieder auf. Das Salz in der Suppe hat Wunder gewirkt. Schon kurze Zeit später merkte ich, dass die Energie wieder zurückkommt und sie sollte mich an diesem Tag nie wieder verlassen. Nur wusste ich das zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

 

16.30 Uhr:

 Donauinsel stromaufwärts, über die neue Donau hinüber in die „dunkle“ Lobau. 15 km Waldgebiet im Nationalpark erwarten mich. Mystisch, ruhig, fast gespenstisch, aber mit super lockeren Beinen durchquere ich die Lobau. Echt schön! Übrigens: Irgendwo in den Tiefen des Waldes finishte ich den zweiten Marathon. Folgender Gedankengang: „Ich bin schon so viele Marathons gelaufen, da kommt es auf einen mehr oder weniger auch nicht  an und ich freute mich auf den dritten.“  Ehrlich, fragt die Brigitte!!!

 

Irgendwann nach 18.00 Uhr:

 Stockfinstere Nacht liegt über Wien. Kein Mensch weit und breit. Nur Brigitte leuchtet und zeigt mir den Weg. Ich könnte sie umarmen, dass ich sie habe. Ohne Navi hätte ich mich garantiert 17 mal verlaufen. Die Markierungen waren zwar vorhanden, aber nicht zu sehen. Klein und unscheinbar hingen sie an Bäumen und nur mit größter Konzentration hätte ich sie gefunden. Danke Brigitte!

 

20.00 Uhr:

 Wir erreichen wieder die Zivilisation. Ganz im Osten von Wien, irgendwo neben dem Marchfeld, bewegen wir uns Richtung Norden. Plötzlich ein Schild! Süßenbrunn – 2 km! Super, ich freu mich! Endlich wieder mal Asphalt! Hab gar nicht gewusst, dass es in Wien so viele Feld- und Wiesenwege gibt.

 

Ich fühle mich wie ein Duracell Hässchen! Er läuft und läuft und läuft …..! Keine Ahnung wo wir den Hunderter passiert haben, ehrlich, war mir auch egal. Ich fühlte mich so gut, dass mir schon fast Angst und Bang wurde. Ich blieb nur zum Pinkeln und Essen stehen. Gels, Bananen, Energieriegel, Cola und ….! Beim Weiterlaufen absolut keine Probleme mit den Beinen. Fantastisch! Ich fühlte, dass ich diesen verrückten Lauf finishen werde. Und das gibt nochmal Kraft!

 21.30 Uhr:

 Gerasdorf bei Wien ist erreicht. Lässig! Jetzt geht’s nach Hause. Denkste! Wir biegen von der schönen geraden, glatten Asphaltstraße ab und landen im Gelände. Die Weinberge von Stammersdorf! Nach knapp 120 km in den Weinbergen von Stammersdorf zu laufen? Viel Spaß! Ein schmaler Trampelpfad, hinauf Richtung Hagenbrunn. Finster, kalt, Nebel! Wer hat sich diesen Blödsinn einfallen lassen? Plötzlich Licht von hinten! Ein Biker kommt aus der Finsternis und ihr werdet es nicht glauben! Ein Eingeborener! „Ich bin ein Floridsdorfer und kenn mich hier aus.“ „Wie lange geht dieser Sch…berg noch“? „Ist gleich aus und dann geht’s hinunter zum Ziel“. Adrenalin und Endorphine schießen ein und tatsächlich, wir sind auf der Stammersdorfer Straße in Richtung Ziel. Bergab auf Kopfsteinpflaster und mit einem Lächeln im Gesicht werde ich schneller.

 

22.15 Uhr:

 Mit Tränen in den Augen, Brigitte vor mir, biegen wir ab auf das Areal des Ella Lingens Gymnasiums. Das Ziel in der Sporthalle ist 50 m vor mir. Nach 124 schönen, harten, einsamen, schwierigen, leichten, dunklen, finsteren, aufregenden, spannenden aber nie langweiligen Kilometern betrat ich nach 15 Stunden und 15 Minuten voll Demut und Stolz die Sporthalle. Das Klatschen der anwesenden Zuschauer erwartet mich. Ich konnte es nicht fassen. Mission erfüllt.

 

Zu diesem Zeitpunkt ist es unmöglich zu realisieren, was da passiert ist. Ich fragte die Dame an der Zeitnehmung welchen Rang ich erreicht habe. Sie sagte: „12er!“ Ich schüttelte den Kopf und trank ein Cappy gespritzt! Danke Brigitte!

 Danke an alle, die mich unterstützt haben!

Bernhard

 

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Do

29

Mai

2014

Hart, härter, Rennsteig

Wieder ein Abenteuer bestanden! Am 17. Mai 2014 um 6.00 Uhr stand ich in Eisenach, Thüringen, BRD, am Start des teilnehmerstärksten und längsten Crosslaufs Europas. 72,7 km quer durch den Thüringer Wald zum Ziel nach Schmiedefeld waren zu bewältigen. Pünktlich starteten etwa 2300 Ultraläufer- und Läuferinnen zu einem wirklich außergewöhnlichen und sehr harten Lauf. Nach etwa einem KM verließen wir die Stadt Eisenach und wir sollten bis zum Ziel den Thüringer Wald nicht mehr verlassen. Fernab jeder Zivilisation, über Stock und Stein, Wanderwege, Wald- und Wiesenwege spulten wir KM für KM ab. Die ersten 25 KM bergauf, dann einige KM steil bergab, dann wieder rauf und wieder runter, bis die ersten Ermüdungserscheinungen sich bemerkbar machten. Nach 50 KM wollten meine Beinmuskeln eigentlich ihr Arbeit beenden, doch mein Geist gab ihnen den Befehl weiterzumachen. Nach ca 60 KM erreichten wir den höchsten Punkt der Stecke auf über 900 m Seehöhe und das Ziel kam in greifbare Nähe. Für mich war es wieder einmal eine spannende Erfahrung, wie lange 10 KM sind. Die letzten KM waren für meinen geschundenen Körper sehr, sehr hart und ich sehnte mich nach dem Zieleinlauf. Nach 7 h 47 min und 3 sec überquerte ich stolz und glücklich die Ziellinie in Schmiedefeld am Rennsteig. Abschließend kann ich behaupten, dass dieser Lauf der härteste und schwierigste Lauf meines Lebens war!

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Mo

31

Mär

2014

2014 - Freu mich!

Jetzt gehts bald wieder los! Nach dem Wintertraining (oder war´s Herbst oder doch Frühling???) starte ich nächste Woche beim Wien-Marathon. Freu mich riesig, meine zwei Laufkameraden, Alex Ciboch und Franzi Mürwald, begleiten zu dürfen. Weiter gehts am 17. Mai in Deutschland mit dem Rennsteiglauf. Ein Ultralauf im Thüringer-Wald über 73 km. Im Juli folgt der Großglockner Berglauf, auf den ich mich auch schon freue. Am 20. September starte ich meinen ersten 12 Stundenlauf in der Schweiz (geil) und als Abschluss habe ich den Florenz-Marathon am 30. November im Auge. Wird eine tolle, schöne Saison! Freu mich!

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"Wer sich auf sein Ziel konzentriert, muss sich um die Entfernung nicht kümmern"